Dienstag, 21. Juli, 18.30 Uhr. Vor dem Velofix treffen nach und nach die ersten Brompton-Fahrer:innen ein. Wie vor jeder Ausfahrt bleibt die gleiche spannende Frage: Wer wird heute mitfahren?
Der Abend steht unter einem besonderen Motto. Unsere Tour führt uns auf eine Zeitreise durch Zürich – auf den Spuren der Frauenbewegung von 1976 bis 2026. Zwischen historischen Schauplätzen und persönlichen Geschichten entdecken wir Orte, an denen Gleichstellung, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Wandel geschrieben wurden.
Da sich heute fast das ganze Velofix-Team anschliesst, starten wir mit leichter Verspätung. Bevor wir losrollen, erzähle ich die Geschichte des Velofix – wie alles begann und weshalb dieser Ort heute weit mehr ist als nur eine Velowerkstatt.

Unsere erste Station ist das Kanzlei, die Turnhalle und das Kino Xenia und weiter zum Ni una Menos Platz, dessen Name auf das Engagement des Streikhauses zurĂĽckgeht. Die Tour verbindet Geschichte mit Gegenwart und zeigt, wie lebendig viele dieser Orte bis heute geblieben sind.
An der Militärstrasse biegen wir in einen ruhigen Innenhof ein – der perfekte Ort für unser Gruppenfoto. Gleich hinter uns befindet sich das Radio LoRa, bis heute bekannt für seinen aussergewöhnlich hohen Anteil an fremdsprachigen Sendungen und sein langjähriges feministisches Engagement. Beim Erzählen fällt uns auf, dass sich unsere Wege hier schon viel früher hätten kreuzen können.

Doch plötzlich nimmt der Abend eine unerwartete Wendung.
In der Unterführung an der Langstrasse zerreisst ein lauter Knall die Ruhe. Ein Kleinwagen rast mit hoher Geschwindigkeit durch den Tunnel und erfasst einen jungen Motorradfahrer. Der Fahrer des Autos hält nicht an, sondern fährt einfach weiter. Glücklicherweise kann der Motorradfahrer selbst wieder aufstehen.
Ein Teil unserer Gruppe reagiert sofort und verfolgt das flüchtende Fahrzeug, während wir unsere Tour an Frauenambulatorium und Pudding Palace fortsetzen. Wenige Minuten später erfahren wir telefonisch: Die Polizei wurde informiert, das Kontrollschild fotografiert. Offenbar war der Autofahrer während der Fahrt am Handy und völlig unkontrolliert unterwegs. Zum Glück verletzte sich der Geschädigte nicht.
Wir treffen uns wieder beim Provitreff. Dort erzählt ich vom legendären Rapunzel. Für Ramesh werden dabei alte Erinnerungen wach – er war hier einst als Hauswart tätig.
Anschliessend besuchen wir das Streikhaus und den Parkplatz, auf dem früher das AJZ stand – Orte, die eng mit den sozialen Bewegungen Zürichs verbunden sind.

Durch den Velotunnel gelangen wir Richtung Hallenbad City und weiter in die Gerechtigkeitsgasse, wo Ende der 1970er-Jahre der erste Frauenbuchladen Zürichs eröffnete. Vieles hat sich verändert, doch die Geschichten dieser Orte bleiben.
Den Abschluss bildet die Rote Fabrik. Inzwischen ist es dunkel geworden, und aus den ursprünglich acht Teilnehmenden sind noch vier übrig geblieben. Wir entscheiden uns spontan, den Abend bei einem gemeinsamen Essen ausklingen zu lassen. Es wird erzählt, gelacht und bereits über die nächste Tour gesprochen.

Kurz nach 21 Uhr machen wir uns individuell auf den Heimweg. (Fotos: Thomas, Jacques, Ida)
Nicht jede Ausfahrt verläuft wie geplant. Doch gerade die Mischung aus Geschichte, Begegnungen und unerwarteten Ereignissen macht unsere Origami Rides so besonders. Sie sind weit mehr als Velotouren – sie sind gemeinsame Entdeckungsreisen durch Zürich.
Linkliste:
Streikhaus